Flexklassen – die bessere Schulform in der Grundschule?
Unser Sohn Oskar, geboren am 27. September 2001, leidet an einem angeborenen Pendelnystagmus, der dazu führt, dass sein Sehvermögen nur ca. 20 % beträgt. Seine Umgebung und auch er merken davon recht wenig, er ist ein aufgewecktes Kind mit viel Spaß am Leben. Jedoch mit zunehmendem Alter und insbesondere in der Vorschule wurden Defizite in der Feinmotorik, beim Malen und Basteln offensichtlich, die er bis dahin durch geschicktes Vermeiden solcher Beschäftigungen „kompensieren“ konnte. Im letzten Jahr vor der Einschulung nahm er an der Frühförderung teil, von dort kam auch die Empfehlung, Oskar an einer Grundschule mit flexibler Schuleingangsphase (FLEX) einzuschulen. FLEX, diesen Begriff hatten wir zu diesem Zeitpunkt sicherlich schon einmal gehört und das System bestimmt als so einen „neumodischen Kram“ abgetan, ohne uns je mit den Inhalten auseinander gesetzt zu haben. Und nun sollte unser Kind auf eine solche Schule gehen.
Die gut gemachte Internetseite der Schule ermöglichte dann einen ersten Einblick in das FLEX-System und beseitigte sogleich unsere, auf Unkenntnis basierenden Vorurteile. Modern und wahrlich flexibel hatten wir von Anfang an den Eindruck, dass diese Lehr- und Lernmethode nicht nur für unseren Sohn mit seinen Einschränkungen das Beste sein würde, sondern dass sich FLEX ganz besonders für alle besonderen Schüler eignet, die Hochbegabten und diejenigen mit Lernschwächen. Hier wird keiner zurück gelassen, hier versucht man „Stärken zu stärken und Schwächen zu schwächen“. Soweit zur Theorie.
Der erste Kontakt mit der Schule fand dann an einem Sonntag statt und zeigte uns ein liebevoll gestaltetes Schulgebäude mit vielfältigen Außenanlagen. Ja, an diese Schule wollte Oskar gehen! Das erste persönliche Zusammentreffen mit den Lehrkräften gab es aus Anlass des Einschulungsgespräches mit der Direktorin Frau Wick. Schön war, dass daran auch die Sonderpädagogin Frau Gutsche teilnahm, die sehr genau über das Krankheitsbild unseres Sohnes Bescheid wusste und gezielt auf ihn einging. Und noch besser war, dass wir einige Wochen später die Zusage zur Einschulung von Oskar in der Inselschule Töplitz erhielten.
Der Schulstart von Oskar verlief optimal und auch in der Folge erhielt er die Förderung und Unterstützung, die er brauchte, ohne dass das Stellen von Forderungen an ihn vernachlässigt wurde. Mit Hilfe aller Lehrkräfte gelang es unserem Sohn, Defizite aus der Vorschulzeit auszugleichen und sich altersgerecht im Lesen und Rechnen zu entwickeln. Und an der Schreibschrift arbeiten wir noch.
Wenn es möglich ist, nach erst einem knappen Schuljahr ein Fazit über die Schulform FLEX und insbesondere die Inselschule Töplitz zu ziehen, dann dieses:
Das FLEX-System ist für Kinder mit besonderem Förderbedarf und besonderen Entwicklungsmöglichkeiten sicherlich jeder anderen, in Brandenburg angebotenen staatlichen Schulform vorzuziehen. Jedoch steht und fällt es in seiner Wirksamkeit mit den Rahmenbedingungen. In der Inselschule Töplitz haben wir ein äußerst engagiertes Team an Lehrern, Sonderpädagogen und Erzieherinnen vorgefunden, für die Schule und FLEX über das rein professionelle Maß hinaus Herzensangelegenheit ist. Dies merkt man an der Gestaltung der Schule und ihrer Umgebung, am Umgang mit den Eltern, an den vielfältigen außerschulischen Aktivitäten und nicht zuletzt am eigenen Kind. Mit Freude betrachten wir die positive Entwicklung von Oskar, die ohne den Einsatz seiner Lehrer und Erzieher und ohne den Einfluss seiner Mitschüler undenkbar wäre. Wir danken allen Genannten und freuen uns auf ein weiteres Jahr FLEX.
26.06.2008 Familie Mühlig
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